Web 2.0-Marktforschung
Eine persönlicher Kommentar von Andera Gadeib
Der Begriff Web 2.0 erlebt in der Marktforschung gerade eine Renaissance. Dabei fällt auf, dass mit diesem „neuen“ Begriff nicht gerade zimperlich umgegangen wird.
„Web 2.0-Marktforschung“ haben wir beispielsweise zuletzt auf einer Konferenz in London als schlichte Umschreibung für „Online-Marktforschung“ erlebt, quasi die Marktforschung der nächsten Generation. Uns freut natürlich, dass Online-Marktforschung gemeinhin als Zukunft der Marktforschung dargestellt wird, unter dem Titel Web 2.0 hatten wir uns nur etwas vollkommen anderes vorgestellt - eher in Richtung Zukunft der Online-Marktforschung. In der letzten Ausgabe der Research & Results und auf der passenden Messe wurde Web 2.0 auch zum Thema gemacht, u.a. auf einer Podiumsdiskussion.
Was mir allerdings noch fehlt ist eine klare Trennung zwischen dem Internet als Untersuchungsgegenstand – wovon heute gerne einiges schlicht als „Web 2.0“ bezeichnet wird - und dem Internet als Erhebungsinstrument, ggfs. mit Web 2.0-Technologien. Bereits auf der ersten GOR (German Online Research) im Jahr 1997 haben wir öffentlich die zwei Perspektiven in der Online-Marktforschung diskutiert, nämlich Internet als Erhebungsgegenstand oder eben als Untersuchungsinstrument. Ich glaube, es war damals Rolf Pfleiderer von TNS, der dies auf einem ganz schlichten Chart an die Wand warf. Neuerdings habe ich den Eindruck, man sollte das vielleicht noch einmal tun, damit beides nicht wieder durcheinander geworfen wird.
Das Internet als Untersuchungsgegenstand wird mit dem sogenannten UGC (User Generated Content) spannend für neue Sekundäranalysen. Dies stellt einen interessanten Radar dar, zu welchen Themen im Netz diskutiert wird und mit welchen Inhalten sich diese aktiven Internetnutzer auseinander setzen. Das es sich dabei um einen kleinen Ausschnitt der gesamten Internetnutzer und entsprechend der Gesamtbevölkerung handelt, muss dabei jeder Analyst berücksichtigen. Uns beschäftigt vor allem die Frage, wie viele der Internetnutzer eigentlich im UGC-Feld aktiv sind und zur Analyse zur Verfügung stehen. Daher haben wir unsere Web 2.0-Zielgruppen-Studie aus dem vergangenen Jahr gerade wiederholt und werden in Kürze berichten.
Auf der anderen Seite steht das Internet als Erhebungsinstrument, dem sich Dialego voll und ganz verschrieben hat und das unsere Begeisterung weckt. Hier kommen „Web 2.0“-Technologien wie bspw. Ajax zum Einsatz, die alle nicht komplett neu sind, aber für den User doch eine deutliche Veränderung des Internets bedeuten. Gerne beschreibe ich das Neue mit der „Leichtigkeit des Bildschirms“. Kleine Fensterchen öffnen sich ohne langes Laden einer neuen Seite, die Bildschirmansichten werden einfach ansprechender und es macht Spaß an diesen Umfragen teilzunehmen.
Aus dem Grund haben wir bereits vor 3 Jahren mit dem MindVoyager ein erstes Mal die neuen Technologien in ein Marktforschungsinstrument umgesetzt. Der MindVoyager ist angetreten, eine neue Form der Konversation zwischen Kunde und vielen Konsumenten (i.d.R. 150) zu ermöglichen. Prompt wurde das Instrument bei ESOMAR als beste Methodologie nominiert. Tatsächlich spiegeln uns im Tagesgeschäft unsere Probanden und Kunden zurück, dass sie diese Erhebungsform als sehr neu empfinden und die Teilnahme spannend ist. Viele verschiedene Studien mit dem Instrument bestätigen dies. Insbesondere im Feld der Insight Generation für die Neuproduktentwicklung oder Relaunches hat der MindVoyager bereits Erfolgsstories geschrieben.
Noch viel mehr umgeworfen hat uns der Erfolg unseres zweiten Web 2.0-Instruments, nämlich das VCM (VisualConceptMapping), das wir vor 2 Jahren entwickelt und in einem Piloten mit Mars getestet haben. Mit dem VCM ermöglichen wir es dem Probanden, pixelgenau Kommentare auf Konzepten, Packungen, Anzeigen oder einfach nur Text zu hinterlassen. Der Proband hat viel Spaß dabei und erlebt den Prozess als echtes Co-Creation. Er darf dem Hersteller sagen, was er konkret mag oder nicht mag und – das tollste – unsere Kunden bekommen dieses ungeschönte Feedback hautnah mit und setzen die Anregungen um. Inzwischen ist das VCM das Standardrepertoire in jedem Ideen- oder ConceptScreener und Anzeigentest und es gibt geradezu begeisterte Fans unter unseren Kunden. Das intuitive Mapping der Konsumentenmeinung im Online-Report haben viele Marketingverantwortliche bereits fest als Bookmark hinterlegt.
Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen unseren Kunden, die bereits den neuen Methoden vertrauen. Ohne Sie wären wir gar nicht in der Lage, unsere Ideen rund um neue Marktforschungsmethoden zu realisieren! Und Sie dürfen sicher sein: wir werden die Methoden ständig weiter entwickeln so dass Marktforschung auf beiden Seiten der Erhebung, Kunde wie Konsument, noch mehr Spaß macht und Erfolge generiert. Co-Creation steht gerade am Anfang und wir haben noch viel vor, mit Ihnen und den Konsumenten.
Sehr gerne beantworte ich Ihre Fragen. Andera Gadeib, andera.gadeib@dialego.de, Tel. +49 241 97828-100.


